Donnerstag, 14. Januar 2010

Ich ziehe um!

Ab sofort wird hier schnell und gründlich weitergedacht:

Dienstag, 12. Januar 2010

Wanted: Duden und Taschenrechner

Ich weiß, ich habe es leicht: ich kann über Printmedien etc. meckern, wann immer ich Lust dazu habe, ohne die Verpflichtung im Nacken, selbst etwas veröffentlichen zu müssen, das annähernd fehlerfrei wäre. Trotzdem: ein gewisses Niveau meine ich darf ich erwarten, gerade weil es so tolle Erfindungen gibt wie Taschenrechner und Rechtschreibprüfung.

Aus bei Leuten die mich kennen vermute ich hinlänglich bekannten Gründen blättere ich hin und wieder die Stadtansichten durch. Ich würd's nicht kaufen (nicht für 6 € - nicht mal für 1,20 €, ich hab's nicht so mit Magazinen), aber für nebenbei ist es meistens ganz nett.

Die aktuelle Ausgabe wartet mit folgenden Highlights auf:

Was die Deutschen bewegt

(…) auf ein Datum, wie Freitag der 13. reagieren Frauen und Männer auf verschiedene Weise: 80 Prozent der Männer missachtet es einfach, aber 26 Prozent der Frauen sind an dem Tag besonders achtsam (…)

Quelle: Stadtansichten # 33 Januar 2010 S. 14/15

Zur Kommasetzung will ich gar nichts sagen, das lasse ich mal wohlwollend (ahaha!) als Tippfehler durchgehen. Jedoch sollte es irgendjemandem auffallen, dass die Diskrepanz zwischen Männern und Frauen anhand der Prozentpunkte gar nicht so dramatisch ist, wie offenbar suggeriert werden soll (zum Vergleich: die Gegensätze, die im restlichen Text aufgeführt werden – z.B. dass sich 70% der Männer für Fußball interessieren, aber nur 30% der Frauen – sollen den Unterschied der geschlechterspezifischen Prioritäten deutlich machen).
Selbstverständlich klingt es spektakulärer, wenn man 80% interessiert es nicht und 26% interessiert es gegenüberstellt. Man könnte aber auch sagen: 20% der Männer und 26% der Frauen sind abergläubisch.
6% Unterschied.
Enorm.

Wenige Seiten danach informiert Corinna von Bassewitz im Einseiter Die Stilvollen über den Imagewandel von Öko-Kleidung und listet die ökologisch korrekten Labels der Promis auf:

Die neue grüne Mode will durch Stil überzeugen und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger moralisieren. Deshalb trägt Hollywood nicht nur Öko, sondern produziert auch Öko. Der erste Star der Hollywood-Öko-Guerilla, der 2005 eine Bio-Linie lancierte, war Sänger Bono von U2. Edun heit die Fairtrade-Marke, die er mit seiner Frau Ali Hewson gründete. Sie bietet alles von Kinderkleidern über Strickwaren und Röcke an. Man kann Öko-Jeans von Sängerin Sheryl Crow kaufen, veganische Schuhe vom New Yorker Label té casan von Natalie Portman, und es gibt sogar eine organische Bade-Kollektion namens AMuse von der – wie passend – Baywatch-Heldin Pamela Anderson.
Quelle: Stadtansichten # 33 Januar 2010, S. 27

Halt! Wem fällt auf, was hier nicht stimmt?

Inhaltlich wurde Frau von Bassewitz wohl vom Drang nach schmissiger Formulierung überrannt: Bono von U2, vermutlich bekanntester Ire, als Aushängeschild der Hollywood-Öko-Guerilla? Hollywood? Wie in Hollywood, Los Angeles? Alles klar…

Aber kommen wir zum eigentlichen Fauxpas: veganisch. Jede Rechtschreibprüfung bemängelt das, der Duden kennt es nicht – für den Fall, dass man nicht selbständig weiß, dass das zu Veganer gehörende Adjektiv vegan lautet, nicht veganisch.

Übrigens – wer sich über die Adjektivbildung veganisch mokiert, sollte selber nicht unbedingt gebährfähig schreiben.

Freitag, 8. Januar 2010

Pulverfässer

Manchmal möchte ich, wie Richter Steinhoff im Fall Oury Jalloh ausrufen:
Ich habe keinen Bock, zu diesem Scheiß noch irgendwas zu sagen.

Ich sage es nicht, weil ich nicht etwas, was aus dem Mund eines Richters (nicht inhaltlich, aber der Form nach) extrem fragwürdig daherkommt, wiederholen will. Aber wenn man mir ein Pulverfass zur treuhänderischen Verwaltung überlässt, darf man sich auch nicht wundern, wenn ich jeden wegscheuche, der mit einem Feuerzeug durch die Gegend rennt, so einfach ist das.

Ich bin weder Caritas noch Kindermädchen, weder Beichtvater noch Sekretärin. Pulverfass-Management – das kann ich. Aber ich kann nicht ausschließen, daß ich nicht hin und wieder selber gerne zur Lunte greifen würde, wenn man mir meine Kooperationsbereitschaft als Schwäche auslegen will.

Donnerstag, 7. Januar 2010

Yoga. Moskau. Bielefeld.

Willkommen in Moskau, Stadt des Sonnengrußes und der inneren Harmonie. Zwischen Kiew und Kamtschatka wird nirgends so hart an der Reinigung der Chakren gearbeitet wie hier. Unbemerkt vom Rest der Welt hat sich Russlands Hauptstadt zur postsowjetischen Yoga-Metropole hochmeditiert. Und doch gibt es jeden Tag Dutzende Momente, in denen davon nicht das kleinste Fitzelchen zu spüren ist.
Quelle: Süddeutsche.de

Äh ja – und? Es mag ja für Feuilleton und Panorama durchaus eine Meldung wert sein - kurios ist es allemal, und sicher auch nicht belangloser als was die Teenies nervt, wenn auch marginal weniger bemerkenswert als die Bielefeld-Verschwörung, die man sich als Paradebeispiel für die Verbreitung von Verschwörungstheorien im Internet merken sollte. Albern? Vielleicht, aber geradezu exemplarisch genial.

Aber nur, weil Yoga nach dem Ende der Sowjetdiktatur boomt, müssen jetzt alle Russen, die bisher ihre ruppige russische Seele mit Wodka gewärmt und mit Pelzen gestreichelt haben (jaja, Klischees, ich weiß, aber die müssen jetzt einfach herhalten), auf einmal buddhistisch langmütig daherkommen oder wie? Muß ich dann (weil Bayern-Klischee) mich täglich mit Bier zuseideln und hauptsächlich von Weißwürst und Sauerkraut ernähren? Und Dirndl tragen, natürlich?

Note to self: mal bei der SZ nachfragen, ob die das machen.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Fighting Mood

I keep telling myself that I don't mind being a spoilsport if it's the right thing to do.
I keep telling myself that I can liberate myself from unwarranted expectations.
I refuse to be subject to moral extortion.
I have no sympathy or understanding whatsoever for decisions only made to display discontent or defiance.
I expect fairness where I am fair.
Passive-aggressive is wasted on me.

Samstag, 2. Januar 2010

Typisch deutsch?

Man soll sich ja weitgehend von Klischees befreien, aber sie entstehen nicht umsonst, also steckt ein wahrer Kern dahinter - und der typische Klischee-Deutsche ist ein steifer Ordnungshöriger, der reflexartig verschnupft reagiert, wenn er unberechtigterweise geduzt wird. Wie wenig das international verständlich ist und wie leicht man sich als Ausländer da vertut, wird an dem alten Wortspiel you can say you to me mehr als deutlich. Endgültig verzweifeln viele Deutsche dann, wenn sie Spanisch lernen und gerade in Südamerika flächendeckend mit Usted konfrontiert werden - im klassischen europäischen Spanisch das Sie, in Südamerika einfach eine generische Anrede für alle, Postbote wie Schwiegermutter wie Putzfrau.

Während wir es aber noch ohne Murren hinnehmen, in englischen Werbeslogans einfach mit you angesprochen zu werden (z. B. Colour your life - der landläufige Baumarktkunde scheint da auch weniger empfindlich zu sein - Mach es zu deinem Projekt, Mach dein Ding etc.), sind wir in unserer Muttersprache weit weniger tolerant - selbst wenn übersetzt wird. Wenn IKEA uns duzt, setzen wir unsere eigenen Maßstäbe an, in absoluter Unkenntnis der Ursprungssprache - in Schweden duzt man sich einfach, fertig. Wenn also jemand meint, das unerträglich zu finden, sollte derjenige sich wohl vom schwedischen Möbelhaus fernhalten.
Den absoluten Vogel diesbezüglich schießt zweifellos Mömax mit seinem Radio-Spot ab, in dem ein (dem Akzent nach schwedischer) Ex-IKEA-jetzt-Mömax-Mitarbeiter sein Leid über seinen früheren Arbeitgeber klagt, wo es verheerend für sein Ego gewesen wäre, geduzt worden zu sein.
Dafür erhält Mömax heute den längst überfälligen Nelson des Tages.

Montag, 28. Dezember 2009

Back to Life

Der Weihnachtsirrsinn ist mal wieder vorbei - reicht wieder für die nächsten 11 Monate, oder?

Wirklich weihnachtlich war es hier ohnehin nicht mit diversen Tierarztbesuchen am 24 und den Feiertagen, und natürlich darf ich auch wieder die Probleme anderer Leute lösen. Warum einige es einfach nicht hinkriegen, sich persönlich so zu organisieren, daß aus unterschiedlichen Charakteren keine inhaltlichen Dramen werden, weiß ich leider auch nicht.

Ach ja, was ich auch nicht verstehe (und mir auch ziemlich auf die Nerven geht, wenn ich ehrlich bin): Warum bestehen Leute darauf, auszugehen und eine Cocktail Happy Hour zum Exzess auszunutzen, wenn sie einem gleichzeitig vorbeten, daß sie kein Geld mehr haben? Wenn ich nur noch 30 € auf dem Konto hätte und die Woche darauf eine größere Ausgabe anstünde, die keinen Aufschub duldet, würde ich tunlichst zuhause bleiben und sparen statt einen Cocktail nach dem anderen zu bestellen (und ja, ich finde es peinlich, den Barkeeper zu fragen, ob ein Cocktail in der Happy Hour nun 5 oder 6 € kostet - wenn es auf 1 € ankommt, sollte man vielleicht gar keinen Cocktail trinken).
Aber das ist natürlich nur wieder meine unqualifizierte Meinung.

Genug vom Persönlichen, zurück zu Dingen von mehr oder weniger allgemeinem Interesse.

Wer kennt die aktuelle Werbung von 1&1?

Dazu möchte ich nur auf folgendes Ergebnis eines telefonischen Hotline-Selbstversuchs der Grünen-Bundestagsfraktion (Sie machten in der zweiten und dritten Dezemberwoche 300 Testanrufe bei 50 verschiedenen Anbietern mit 0900-Nummern. Man kann jetzt fragen, warum die Grünen das machen und ob sie nichts besseres zu tun haben - danke, liebe SZ, diese Frage ist mir auch durch den Kopf geschossen) verweisen:

Das Ergebnis der Stichprobe ist so enttäuschend wie erwartbar: Bei 15 von 50 getesteten Nummern (überwiegend Telefon- und Internetanbieter, Fluggesellschaften und allgemeine Beratungsdienstleistungen) warteten die Anrufer länger als eine Minute in der Warteschleife. Am längsten dauerte es beim DSL-Anbieter 1&1 - die Wartezeiten lagen bei dieser Firma zwischen elfeinhalb und 23 Minuten.
Quelle: Süddeutsche.de

Der virtuelle Herr D'Avis erhält dafür von mir demzufolge auch den Nelson des Tages.